Bärenloch Welschenrohr

Der Weg zum Bärenloch führt teilweise über ein kleines Felsband und steigt im letzten Stück steil an. Er sollte deshalb nur von trittsicheren Wanderinnen und Wanderern begangen werden. Nach der Traverse erschein unvermittelt rechts oben ein dreissig Meter breites und zwanzig Meter hohes Gewölbe, das an eine Kathedrale erinnert. Das durch eine Felsspalte in der Decke hereinfallende Licht verstärkt diesen Eindruck.

Ebenso eindrücklich wie das Innere der Höhle ist die Sicht auf das Tal und auf die Nordseite des Balmbergs. In der Ruhe des Bärenlochs kommt bald das Gefühl auf, weit weg von jener Welt zu sein, die unten im Tal liegt. Der Blick über die Landschaft lässt den Geist abheben, und gleichzeitig fühlt man sich im Felsenschoss geborgen.

Obwohl Bären für ihren Winterschlafe engere und somit wärmere Höhlen bevorzugen, ist es gut möglich, dass hier früher ab und zu ein Bär vorbeikam. Möglicherweise war die Höhle ein Heiligtum des uralten europäischen Bärenkultes. Funde in der näheren Umgebung belegen jedenfalls, dass die Gegend seit Jahrtausenden von Menschen bewohnt ist. Diese nutzten solche Höhlen gerne als Orte für religiöse Zeremonien.

Wie in anderen Bärenhöhlen hat auch hier die Schwingung eine urtümliche Tiefe, was als Nachhallen von spiritueller Hingabe gedeutet werden kann. Mit der Ausrottung der Bären in Europa haben die Menschen die Bindung zu diesen Tieren verloren, was für die meisten Leute völlig bedeutungslos ist. Aber nach schamanischer Sichtweise hat uns die Ausrottung der Bären den Zugang zu einem wichtigen Teil unseres eigenen Wesens versperrt. Wer mag, kann hier den Bären wünschen, dass sie wieder ihren Platz in diesem Lebensraum finden.

 

Quelle: Pier Hänni, Magischer Jura. Wanderungen zu Orten der Kraft von Schaffhausen, über Basel bis zum Neuenburger Jura, AT Verlag, Baden und München, S. 152-153.