Kaltbrunnental

Die Hauptattraktion des Kaltbrunnentals ist das Naturerlebnis des Bachtals, in dessen abgeschlossener Welt die Sinne verwöhnt werden. Das Rauschen des Ibachs und der Chor der vielen Vögel sorgen für akustische Begleitung. Vom zügig fliessenden Bach wird die Luft mit anregenden Ionen gesättigt, was zusammen mit der hohen Grundschwingung den Körper anregt und das Herz öffnet. Auf dem Weg durch das Tal reihen sich die Kraftplätze wie die Perlen auf einer Kette aneinander.

Beim Eingang ins Kaltbrunnental mündet der Ibach in die Birs. Die erhöhte Schwingung zwischen dem Fluss, dem Bach und dem Felsabbruch zur Linken ist deutlich spürbar. Man kann sich kaum einen malerischen Taleingang vorstellen. Zwischen den Felsen fliesst der Ibach über bemooste Felsen hinunter in die Birs, die sich glitzernd durch das Tal schlängelt. Zusammen mit dem Holzsteg entsteht ein romantisches Gemälde.

In den Höhlen entlang des Bachtals wohnten vor vierzigtausend Jahren Steinzeitmenschen. Bei der Kohlerhöhle führt ein enger, feuchter Gang ins Innere des Felsen. Der war zwar nicht bewohnbar, aber den Schwingungen nach zu urteilen, hatte er eine kultische Bedeutung. Kaum hat man die Welt draussen hinter sich gelassen, fühlt man sich im dunklen Spalt weit weg von ihr. Auch auf dem Platz zwischen den Höhlen fühlt man sich von starken Schwingungen eingehüllt und aufgenommen und es überkommt einem ein heimeliges Gefühl.

Auch in dem geräumigen Gewölbe der Chastelhöhle (Kastelhöhle) fühlt man sich angenehm wohl und entspannt. Über eine unvorstellbar lange Zeit hinweg wohnten hier Menschen, deren Anwesenheit im Fels gespeichert zu sein scheint. Der Blick durch den Buchenhain hinunter zum Bach lässt eine heitere Stimmung aufkommen und es fällt einem nicht schwer, sich unsere Vorfahren an diesem Ort vorzustellen. Mit offenen Sinnen nahmen sie die Formen und Farben, das Wirken und Wesen der Natur als Ausdruck einer geheimnisvollen, das Leben erfüllenden Kraft.

Im oberen Tal zeigt sich der Bach bald als Wildbach, der zwischen Felsblöcken hindurch sprudelt und über Felsstufen herunterstürzt. Im felsigen Bachgraben verändert sich die Grundschwingung. Sie wirkt wild wie der Bach und stark wie die wuchtigen Blöcke. Im unablässig wandelnden Rauschen und Gurgeln vermeint man Jauchzer voller Lebensfreude zu hören. Der Betrachter hat das Gefühl, das wilde Wasser würde ebenso durch ihn fliessen und ihn von innen her mit Kraft erfüllen. So gestärkt verlässt der Wanderer kurz darauf das Kaltbrunnental.

 

Quelle: Pier Hänni, Magischer Jura. Wanderungen zu Orten der Kraft von Schaffhausen, über Basel bis zum Neuenburger Jura, AT Verlag, Baden und München, S. 119-126.